Schau informiert über Interventionsstellen

Dr. Susanne Smolenski (von links), Bürgermeisterin Veronika Fischer, Caritas-Mitarbeiterin Tina Heidger, Polizeidirektor Gerd Bertram und Caritas-Geschäftsführer Werner Steffens.

Eine Wanderausstellung der Interventionsstellen Ahrweiler und Cochem/Mayen mit dem Titel „Gewalt in engen sozialen Beziehungen“ wurde jetzt im Mayener Rathaus eröffnet. Ab Montag, 12. Juli, ist diese Ausstellung 14 Tage lang in der Verbandsgemeindeverwaltung Adenau zu sehen. Es folgen Ahrweiler und Remagen.

Caritas-Geschäftsführer Werner Steffens bedankte sich bei der Feier zur Ausstellungseröffnung bei den in großer Zahl erschienenen Gästen: „Sie alle zeigen mit ihrem Kommen Wertschätzung für das Thema und markieren damit auch einen Standpunkt.“ Bürgermeisterin Veronika Fischer betonte die Wichtigkeit der Präsentation, denn „25 Prozent der Frauen sind irgendwann mit dem Thema Gewalt im familiären Umfeld betroffen. Gewalt geschieht hinter verschlossenen Türen und ist deshalb ein Tabu, das mit der Ausstellung gebrochen wird.“

13 Interventionsstellen (ISTen) helfen in Rheinland-Pfalz Frauen, die von physischer, psychischer, sexualisierter, ökonomischer oder sozialer Gewalt in engen sozialen Beziehungen betroffen sind. Die Frauen werden von der zuständigen Polizei nach einem Einverständnis zur Datenweitergabe an die IST gefragt, um daraufhin ein entsprechendes Beratungs- und Unterstützungsangebot vermittelt zu bekommen.

Basierend auf der Kampagne des Bundesverbandes Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe Frauen gegen Gewalt e.V. (bff) aus dem Jahr 2007, wurden von den Interventionsstellen in Zusammenarbeit mit den zuständigen Polizeiinspektionen und der –direktion eigene Standpunkte entwickelt. Polizeidirektor Gerd Bertram, die Dienststellenleiter, die Koordinatoren bei Gewalt in engen sozialen Beziehungen sowie freiwillig mitwirkende Polizeibeamte und -beamtinnen aus Mayen, Cochem, Remagen, Ahrweiler und Adenau waren an der Realisierung beteiligt.

Polizeidirektor Bertram und eine Mitarbeiterin der IST entwickelten beispielsweise das Plakat „Bei Gewalt gegen Frauen treten wir gemeinsam auf.“ Der Standpunkt der Dienststellenleitung Adenau zeigt den Schriftzug „Wir decken Gewalt auf“, wobei die Dienststellenleitung eine rote Decke wegzieht, unter der Waffen verborgen sind. Und die Leitung der Polizeiinspektion Bad Neuenahr-Ahrweiler bezieht Stellung mit dem Satz „Häusliche Gewalt ist keine Privatsache; die Polizei hat jederzeit einen Fuß in der Tür“.

Den Höhepunkt der Vernissage in Mayen bildete ein Fachvortrag von Dr. med. Susanne Smolenski aus Ahrweiler. Die Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie an der Dr. von Ehrenwall’schen Klinik Ahrweiler machte deutlich, dass eine gute und vor allem zeitnahe professionelle Erstversorgung der Betroffenen das Risiko und Ausmaß einer Traumatisierung verringert. Laut Dr. Smolenski wird Gewalt, ausgeübt durch andere Menschen, als „gravierender“ empfunden als Unfälle oder Katastrophen. Entsprechend schneller könne sie zu Traumatisierungen führen.

65 Prozent aller Gewalttaten geschehen in den Familien – einem Ort, der es Betroffenen aufgrund von Scham und Abhängigkeiten erschwert, über die Tat zu sprechen. Die akuten Folgen können erhöhte Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen sein. Dr. Susanne Smolenski: “Diese Reaktionen klingen bei günstigem Verlauf in einigen Tagen, spätestens nach vier Wochen, ab.“ Das Trauma kann sich aber auch chronifizieren, sodass Angst- und Panikstörungen oder Suchterkrankungen die Folge sein können.

Deshalb helfen die Interventionsstellen, möglichst zeitnah durch die Polizei eingeschaltet, das äußere und innere Chaos zu verlieren, indem sie Betroffenen wieder handlungsfähig machen. Je früher sie fachliche Unterstützung erfahren, desto größer sind die Erfolgschancen. Damit machte die Referentin deutlich, wie wichtig und richtig die schnelle, professionelle Kooperation von Polizei und Interventionsstellen ist.

Quelle: Pressemitteilung der Caritas/Eberhard Thomas Müller vom 6. Juli 2010

2 Antworten to “Schau informiert über Interventionsstellen”


  • Eine Studie des Ministeriums für alles ausser Männer belegte im Jahr 2004, dass ein Viertel oder 25 Prozent der Männer Opfer von Häuslicher Gewalt werden. Weit mehr als 200 internationale Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Häusliche Gewalt zu 25 Prozent vom Mann, zu 25 Prozent von der Frau und zu 50 Prozent von beiden ausgeht. Schon Erin Pizzey wusste, dass, als sie in den 70ern das erste Frauenhaus eröffnete, nachdem sie damit an die Öffentlichkeit ging, wurde sie von Feministinnen mit Morddrohungen aus England verjagt. Und noch immer wird nur einseitig auf die Frauen geschaut, wenn es um Häusliche Gewalt geht, was muss passieren, damit auch Männer als Opfer anerkannt werden?

  • halmackenreuter

    Häusliche Gewalt ist keine Männerdomäne. Frauen schlagen ähnlich häufig zu – gegenüber alten Menschen, Pflegebedürftigen und Kindern sogar weit häufiger als Männer. Deshalb wird es Zeit, sich von alten beengenden Sichtweisen zu lösen. Es wird Zeit, die Gewaltbetroffenheit von Männern (als Opfer) und die Gewaltausübung von Frauen in der Öffentlichkeit verstärkt zum Thema zu machen. Die alten Märchen von der ausschließlichen Betroffenheit des Opfers Frau glaubt in Zeiten des Internet, in denen sich jeder über die wahren Hintergründe informieren kann, niemand mehr!

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